Zwei Arten von Strahlung
Ultraviolette Strahlung erreicht uns vor allem als UVA und UVB. UVB ist energiereicher und die Hauptursache für Sonnenbrand. UVA dringt tiefer in die Haut ein, wirkt das ganze Jahr über und auch durch Fensterglas und trägt wesentlich zur lichtbedingten Hautalterung bei. Beide Arten können das Erbgut der Hautzellen schädigen. Dass man UVA nicht als Brennen spürt, macht sie nicht harmloser, nur unauffälliger.
Was die Zahl auf der Tube sagt
Der Lichtschutzfaktor, kurz LSF oder englisch SPF, bezieht sich in erster Linie auf UVB. Er gibt an, wie viel länger man sich unter Laborbedingungen mit dem Produkt in der Sonne aufhalten kann als ohne, bevor die Haut rot wird. LSF 30 lässt rechnerisch etwa ein Dreißigstel der UVB-Strahlung durch, LSF 50 etwa ein Fünfzigstel. Der Unterschied wirkt klein, ist bei empfindlicher Haut und intensiver Sonne aber spürbar.
Für den UVA-Schutz gibt es in der EU eine eigene Empfehlung: Er soll mindestens ein Drittel des angegebenen Lichtschutzfaktors betragen. Produkte, die das erfüllen, tragen das Kürzel UVA in einem Kreis. Auch die Angabe „wasserfest“ ist geregelt: Nach zweimal zwanzig Minuten im Wasser muss noch mindestens die Hälfte des ursprünglichen Schutzes vorhanden sein. Wasserfest heißt also nicht, dass nach dem Baden alles beim Alten ist.
Organische und mineralische Filter
Sonnenschutzmittel arbeiten mit zwei Gruppen von Filtern, die sich oft auch kombiniert in einem Produkt finden.
- Organische Filter, umgangssprachlich chemische Filter genannt, nehmen UV-Strahlung auf und wandeln sie in Wärme um. Sie ermöglichen leichte, unsichtbare Texturen. Einzelne Filter können bei empfindlichen Menschen Reizungen oder Allergien auslösen und in den Augen brennen.
- Mineralische Filter wie Zinkoxid und Titandioxid liegen als feine Partikel auf der Haut und halten die Strahlung vor allem durch Absorption, zum Teil auch durch Streuung zurück. Sie gelten als gut verträglich und werden häufig für sehr empfindliche Haut und für Kinder gewählt. Ihr Nachteil ist ein möglicher weißlicher Schleier, der auf dunklerer Haut besonders auffällt.
Beide Filtergruppen sind in der EU zugelassen und auf ihre Sicherheit geprüft. Welche besser passt, ist weniger eine Glaubensfrage als eine der persönlichen Verträglichkeit.
Die passende Textur
Ein Sonnenschutz, der sich unangenehm anfühlt, bleibt im Schrank. Deshalb lohnt es sich, nach Hauttyp auszuwählen:
- Fettige oder zu Unreinheiten neigende Haut kommt oft mit Fluids und Gelcremes gut zurecht, die als nicht komedogen ausgewiesen sind.
- Trockene Haut verträgt reichhaltigere Cremes, die zugleich pflegen.
- Empfindliche Haut profitiert von kurzen Inhaltslisten ohne Duftstoffe. Wer häufig mit Rötungen kämpft, findet im Beitrag über die Hautbarriere weitere Anhaltspunkte.
Die Menge macht den Faktor
Im Labor wird mit zwei Milligramm Produkt pro Quadratzentimeter Haut gemessen. Im Alltag tragen die meisten Menschen deutlich weniger auf, und der tatsächliche Schutz sinkt entsprechend. Für Gesicht und Hals hilft eine einfache Faustregel: zwei Fingerlängen Creme, gleichmäßig verteilt. Ohren, Nacken und Haaransatz nicht vergessen.
Make-up und getönte Produkte
Tagescremes, Foundations und Puder mit Lichtschutzfaktor sind praktisch, ersetzen aber selten den eigentlichen Sonnenschutz. Um den angegebenen Faktor zu erreichen, müsste man ein Vielfaches der üblichen Make-up-Menge auftragen. Sinnvoller ist die Reihenfolge: zuerst Sonnenschutz in ausreichender Menge, kurz einziehen lassen, dann Make-up. Getönte Sonnencremes können beides verbinden, sofern man sie großzügig genug verwendet.
Nachcremen: was es kann und was nicht
Schwitzen, Baden und Abtrocknen tragen Sonnenschutz ab. Nachcremen stellt den Schutz wieder her, verlängert die mögliche Zeit in der Sonne aber nicht. Wer die Schutzzeit ausgeschöpft hat, gehört in den Schatten. Am Abend sollte das Produkt gründlich, aber sanft entfernt werden, wie im Abendritual beschrieben.
Oft vergessen: Hände, Lippen, Augen
Handrücken sind im Alltag fast ständig der Sonne ausgesetzt, etwa am Lenkrad oder beim Spazierengehen, und werden nach dem Händewaschen schnell wieder ungeschützt. Lippen haben kaum eigenen Pigmentschutz, ein Pflegestift mit Lichtschutzfaktor hilft. Die Augen schützt eine Sonnenbrille mit ausgewiesenem UV-Schutz; eine dunkle Tönung allein sagt darüber nichts aus.
Den UV-Index richtig lesen
Der UV-Index beschreibt die zu erwartende Stärke der sonnenbrandwirksamen Strahlung. Werte von 1 bis 2 gelten als niedrig, 3 bis 5 als mäßig, 6 bis 7 als hoch, 8 bis 10 als sehr hoch, ab 11 als extrem. Ab einem UV-Index von 3 empfehlen Gesundheitsbehörden Schutzmaßnahmen. In Deutschland wird dieser Wert vom Frühjahr bis in den Herbst an vielen Tagen erreicht, auch bei bewölktem Himmel. Wasser, Sand und Schnee reflektieren zusätzlich, im Gebirge steigt die Belastung mit der Höhe.
Hinter Glas
Normales Fensterglas hält UVB weitgehend ab, lässt aber einen erheblichen Teil der UVA-Strahlung durch. Wer viel am Fenster arbeitet, ist also nicht vollständig geschützt. Im Auto halten Windschutzscheiben aus Verbundglas in der Regel mehr UVA zurück als viele Seitenscheiben.
Und das Vitamin D?
Die Haut bildet Vitamin D unter dem Einfluss von UVB. Die Sorge, Sonnenschutz könne deshalb zu einem Mangel führen, ist verständlich. Studien deuten jedoch darauf hin, dass Sonnenschutz im Alltag den Vitamin-D-Spiegel kaum senkt, weil er nie lückenlos aufgetragen wird. Gezieltes Sonnenbaden ohne Schutz wird nicht empfohlen. Wer einen Mangel vermutet, lässt den Wert besser ärztlich bestimmen, statt auf Sonnenbrand zu setzen.
Kinder
Kinderhaut ist dünner und reagiert empfindlicher. Säuglinge im ersten Lebensjahr gehören nicht in die direkte Sonne. Für ältere Kinder gilt die Reihenfolge: Schatten, Kleidung und Kopfbedeckung zuerst, Sonnenschutzmittel für die Stellen, die frei bleiben.
Haltbarkeit der Tube
Ein kleines Symbol eines geöffneten Tiegels mit einer Zahl zeigt, wie viele Monate ein Produkt nach dem Öffnen verwendet werden kann. Hitze kann die Filter schwächen, deshalb gehört die Tube nicht ins aufgeheizte Auto oder in die pralle Sonne. Riecht ein Rest vom Vorjahr verändert oder hat sich die Konsistenz getrennt, ist er ein Fall für den Abfall.
Alltag statt Urlaub
Der beste Sonnenschutz ist am Ende einer, den man gern benutzt: eine Textur, die zur eigenen Haut passt, und ein fester Platz in der Morgenroutine. Kleidung, Hut, Sonnenbrille und Schatten zur Mittagszeit ergänzen ihn.
Für Kinder, sehr helle Haut und bei Medikamenten, die die Lichtempfindlichkeit erhöhen, ist eine Beratung in der Arztpraxis oder Apotheke sinnvoll. Auffällige oder sich verändernde Muttermale gehören in die Hände einer Hautärztin oder eines Hautarztes.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche, dermatologische oder pharmazeutische Beratung.