Haut mit Haaren
Auf der Kopfhaut sitzen rund hunderttausend Haarfollikel und besonders viele Talgdrüsen. Der Talg schützt Haut und Haar, wirkt bei zu viel Produktion aber schnell schwer und fettig. Zugleich reagiert die Kopfhaut auf dieselben Dinge wie die Gesichtshaut: auf zu scharfe Reinigung, auf Hitze, auf Sonne, auf Stress. Vieles, was man über die Hautbarriere weiß, gilt hier ebenso.
Wie ein Haar lebt
Jedes Haar durchläuft einen Zyklus aus drei Phasen. In der Wachstumsphase (Anagen) bildet der Follikel über Jahre hinweg neues Haar, der größte Teil der Kopfhaare befindet sich in diesem Abschnitt. Es folgt eine kurze Übergangsphase (Katagen). In der Ruhephase (Telogen) sitzt das Haar nur noch locker im Follikel, bis es ausfällt und ein neues Haar nachwächst. Weil die Follikel nicht im Gleichtakt arbeiten, verliert man ständig einige Haare, ohne dass die Fülle sichtbar abnimmt.
Das erklärt auch, warum sich Belastungen oft erst mit Verzögerung zeigen: Eine fieberhafte Erkrankung, eine Geburt oder eine besonders anstrengende Zeit können viele Haare gleichzeitig in die Ruhephase schicken. Der Ausfall wird dann einige Wochen bis Monate später bemerkt, wenn der Auslöser schon fast vergessen ist.
Warum Haar glänzt
Der sichtbare Teil des Haares ist abgestorbenes Material. Seine äußerste Schicht, die Schuppenschicht, besteht aus feinen, dachziegelartig übereinanderliegenden Zellen. Liegen sie glatt an, reflektiert das Haar Licht gleichmäßig und wirkt glänzend. Werden sie durch Hitze, Reibung, Färben oder kräftiges Bürsten aufgeraut, streut das Licht, das Haar wirkt matt, verhakt leichter und bricht schneller. Pflege kann die Oberfläche glätten, reparieren kann sie das Haar nicht.
Wie oft waschen?
Eine allgemeingültige Antwort gibt es nicht. Wer viel Sport treibt oder eine fettige Kopfhaut hat, wäscht häufiger, wer zu Trockenheit neigt, seltener. Entscheidend sind ein mildes Shampoo, das zur Kopfhaut passt, und lauwarmes statt heißes Wasser. Shampoo gehört vor allem auf die Kopfhaut, die Längen werden beim Ausspülen mitgereinigt. Spülung und Kur gehören dagegen in Längen und Spitzen.
Das Shampoo nach der Kopfhaut wählen
Viele kaufen Shampoo nach dem Zustand der Spitzen, also etwa „für trockenes Haar“, obwohl die Kopfhaut fettet. Sinnvoller ist die umgekehrte Reihenfolge: Das Shampoo richtet sich nach der Kopfhaut, die Pflege nach den Längen. Eine fettige Kopfhaut verträgt eine gründlichere Reinigung, eine empfindliche oder trockene eher eine besonders milde, möglichst ohne Duftstoffe. Ob das Leitungswasser hart oder weich ist, kann das Gefühl nach dem Waschen beeinflussen; wie stark das ins Gewicht fällt, ist allerdings nicht abschließend geklärt.
Trockenshampoo und Peelings
Trockenshampoo bindet Talg und überbrückt einen Tag, eine Wäsche ersetzt es nicht. Bleibt es über mehrere Tage auf der Kopfhaut, können sich Rückstände ansammeln, die jucken oder die Kopfhaut reizen. Ähnliches gilt für Kopfhautpeelings: Sie können Ablagerungen lösen, sollten aber selten und mit leichtem Druck angewendet werden. Auf gereizter, schuppiger oder verletzter Kopfhaut haben sie nichts zu suchen.
Schuppen ist nicht gleich Schuppen
Feine, weiße, trockene Schuppen entstehen oft durch eine gestresste Kopfhaut, etwa durch zu heißes Wasser, zu häufiges oder zu scharfes Waschen oder trockene Heizungsluft. Hier helfen meist mildere Reinigung und etwas Geduld. Größere, gelbliche, fettige Schuppen, oft mit Rötung und Juckreiz, können dagegen auf eine seborrhoische Dermatitis hinweisen. Dabei spielen ein Hefepilz, der natürlicherweise auf der Haut lebt, und die Talgproduktion eine Rolle. Das ist ein Thema für die Hautarztpraxis, ebenso wie scharf begrenzte, schuppende Herde, die an Schuppenflechte denken lassen.
Halten Schuppen trotz milder Pflege über Wochen an, jucken stark, nässen oder breiten sich auf Stirn, Augenbrauen oder Nasenfalten aus, sollte man sie ärztlich ansehen lassen, statt immer neue Mittel auszuprobieren.
Vorsicht, nass
Nasses Haar ist dehnbarer und bricht leichter. Statt kräftig zu rubbeln, besser mit einem Handtuch ausdrücken und mit einem grobzinkigen Kamm von den Spitzen her entwirren. Beim Föhnen helfen eine mittlere Temperatur und etwas Abstand. Glätteisen und Lockenstab so selten und so kühl wie möglich einsetzen, immer mit Hitzeschutz.
Zug, Sonne und Teller
Straffe Zöpfe, enge Pferdeschwänze, schwere Extensions oder fest geflochtene Frisuren ziehen dauerhaft an den Haarwurzeln. Über lange Zeit kann das zu einem Haarverlust am Haaransatz und an den Schläfen führen, der Traktionsalopezie. Früh erkannt, erholt sich das Haar oft, wenn der Zug nachlässt; hält die Belastung jahrelang an, kann der Verlust bleibend sein. Es hilft, Frisuren locker zu binden, die Position zu wechseln und nachts offen zu schlafen.
Am Scheitel und bei lichterem Haar liegt die Kopfhaut frei und bekommt Sonne ab. Ein Hut oder eine Kappe ist im Sommer der einfachste Schutz, für Scheitel und Haaransatz gibt es zudem leichte Sonnenschutzsprays. Mehr dazu im Ratgeber zum Lichtschutz.
Auch die Ernährung spielt eine Rolle, wenn auch eine nüchterne. Haar braucht ausreichend Eiweiß, und ein Eisenmangel kann Haarausfall begünstigen. Eine ausgewogene Kost deckt den Bedarf in aller Regel. Nahrungsergänzungsmittel für Haare sind nur dann sinnvoll, wenn ein Mangel festgestellt wurde; ohne Mangel bringen sie keinen nachgewiesenen Vorteil.
Was normal ist
Haare wachsen etwa einen Zentimeter im Monat und fallen nach ihrer Wachstumsphase von selbst aus. Fünfzig bis hundert Haare am Tag gelten als normal, nach dem Waschen sieht es oft nach mehr aus. Saisonale Schwankungen, vor allem im Herbst, sind verbreitet.
Fallen über Wochen deutlich mehr Haare aus, entstehen kahle Stellen oder juckt, schuppt oder schmerzt die Kopfhaut, ist eine dermatologische Untersuchung sinnvoll. Hinter Haarausfall können Eisenmangel, Schilddrüsenerkrankungen, hormonelle Veränderungen oder Stress stecken, und vieles davon lässt sich gut behandeln. Das gilt für Frauen wie für Männer: Bei Männern zeigt sich erblich bedingter Haarausfall oft an Geheimratsecken und Hinterkopf, bei Frauen eher als diffuses Lichterwerden am Scheitel. In beiden Fällen gilt: Je früher man ihn abklären lässt, desto mehr Möglichkeiten bleiben.
Kleine Rituale
- Beim Waschen die Kopfhaut sanft mit den Fingerkuppen massieren, nicht mit den Nägeln.
- Gründlich ausspülen, damit keine Shampoo- oder Stylingreste zurückbleiben.
- Einen Kissenbezug aus glattem Material wählen, er verringert die Reibung in der Nacht.
- Bürsten und Kämme regelmäßig reinigen.
- Die Spitzen regelmäßig schneiden lassen, damit sich Spliss nicht nach oben fortsetzt.
Zusammen schaffen diese Gewohnheiten, was die Kopfhaut braucht: Ruhe, Sauberkeit ohne Härte und Aufmerksamkeit für Veränderungen.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche, dermatologische oder pharmazeutische Beratung.